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EDITORIAL
Ausgabe 2 / 95
Liebe Leserinnen und liebe Leser,
Frauen und künstlerisches Schaffen, das ist ein altes und oft nicht sehr
erfreuliches Thema. Frauen waren und sind in der Kunst noch immer unterrepräsentiert.
Komponistinnen, Malerinnen, Bildhauerinnen - wo sind die Frauen, die hier
Großes geleistet haben? Gab es sie nicht, sind sie zu wenig bekannt oder
gar vergessen? Wenn Frauen mit künstlerischer Arbeit zu Ruhm und Geld
kamen, dann auf dem Theater, dem Konzertpodium oder durch die Literatur.
Deshalb denken wir auch am ehesten an Virtuosinnen, Tänzerinnen und Schriftstellerinnen,
wenn wir Frauen und Kunstschaffen zusammenbringen. Ganz zu Unrecht kommt
dabei ein Gebiet zu kurz, auf dem Frauen schon lange Erfolg haben: die
Fotografie. In diesem technischen Medium haben sie seit seiner Erfindung
mit Engagement und Experimentierfreude gearbeitet. Und sie sind heute
aus der Fotografie nicht mehr wegzudenken. Deshalb haben wir von der SIBYLLE
dieses Heft dem weiblichen Blick gewidmet. Zum Beispiel in der Mode. Auf
den Seiten 26 bis 32 haben sechs Fotografinnen einen Modetrend in Szene
gesetzt. Herausgekommen sind sechs völlig unterschiedliche Blicke von
Frauen mit Persönlichkeit auf Frauen mit Persönlichkeit. Eine - wie wir
finden - spannende und phantasievolle Geschichte. Im Kulturteil widmen
wir acht Seiten berühmten Fotografinnen, beschrieben von Klaus Honnef,
einem Kenner der künstlerischen Fotografie. Wir glauben an den weiblichen
Blick. Wir meinen, dass die Welt voller Geheimnisse, voller schöner und
schrecklichen Dinge ist, die Frauen auf ihre Weise aufspüren, wahrnehmen
und entschlüsseln wollen. Wir wünschen uns, dass Sie uns bei der Spurensuche
folgen können.
Herzlichst Ihre Susanne Stein, Chefredakteurin
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